Die Österreichische Zoo Organisation (OZO: www.ozo.at) hat sich Arterhaltung und Naturschutz zum Ziel gesetzt. Mitglieder der OZO sind neben dem Zoo Schmiding der Alpenzoo Innsbruck, der Zoo Salzburg, der Tier- und Naturpark Schloß Herberstein, der Tiergarten Schönbrunn und das Haus des Meeres – Vivarium Wien.

Die OZO Zoos wollen beispielgebend und aktiv bestmögliche Wildtierhaltung in ganz Österreich fördern. Weitere Ziele und Aufgaben umfassen die Förderung der Anliegen des Tier-, Arten- und Naturschutzes, die Beteiligung an Forschungsaktivitäten zur Erhaltung der Artenvielfalt, die Ausbildung von Fachleuten im Zoobereich und die fachliche Unterstützung der Behörden. Letzteres umfasst auch die Förderung der Umsetzung der EU-Richtlinien, um den Schutz wildlebender Tiere und die Erhaltung der biologischen Vielfalt durch Vorschriften für die Betriebserlaubnis und Überwachung von Zoos zu gewährleisten.

Aktuelle Projekte der OZO:

Schutzprojekt für den Dunkelsäger (Mergus octosetaceus)

Der Dunkelsäger ist einer der am meisten bedrohten Wasservögel der Welt und wird von der IUCN – der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen – als stark bedroht eingestuft. Der derzeitige Bestand wird auf nur 250 Individuen weltweit geschätzt.

Die Art ist lediglich in Serra da Canastra, Patrocínio, Chapada dos Veadeiros und Jalapão in Brasilien anzutreffen. Der Dunkelsäger bewohnt Flüsse und Bäche mit klarem Wasser, in denen reichlich Fisch vorhanden ist – seine primäre Nahrungsquelle. Um Fisch zu fangen, taucht er und nutzt dabei sein gutes Sehvermögen. Aus diesem Grund ist er äußerst anfällig gegenüber Wasserverschmutzung.

Das Chico Mendes Institut für den Erhalt der Biodiversität (ICMBio) gründete den PAN (nationaler Aktionsplan) für den Dunkelsäger, um diese Art vor dem Aussterben zu bewahren.

Dunkelsäger
Dunkelsäger Küken
Zielsetzung
Dieses Projekt hat es sich zum Ziel gemacht, die Population vom Dunkelsäger ex situ zu erhöhen, indem den Jungen bessere Überlebenschancen geboten werden, um das Erwachsenenalter zu erreichen. In der Natur überleben nur 10–20 % der Nachkommen und es ist noch nicht erforscht, was aus ihnen wird, nachdem sie ihre Eltern verlassen haben. In menschlicher Obhut, unter kontrollierten Bedingungen, liegt die Überlebensrate bei 80–90 %. Einmal erwachsen, werden sie verpaart und bilden eine Zuchtgruppe. Die Küken dieser Gruppe können von den Elterntieren in kontrolliertem Umfeld aufgezogen und als Erwachsene in ihr natürliches Habitat entlassen werden.

Methoden
Der Zoo Itatiba ist der einzige Zoo weltweit, der von IBAMA die Erlaubnis erhielt, Dunkelsäger-Eier von der Natur zu entnehmen. Die Eier werden von Spezialisten in mobilen Inkubatoren in den Zoo Itatiba verbracht, wo die Eier bebrütet und die Küken bis zum Erwachsenenalter aufgezogen werden. Anschließend wird eine Zuchtgruppe zusammengestellt, die mindestens 10 Paare umfassen sollte. Die Nachzucht dieser Gruppe soll allein von den Elterntieren aufgezogen werden und somit für die Rückführung in den natürlichen Lebensraum vorbereitet sein.

Der Zooparque Itatiba ist Mitglied des PAN und gemeinsam mit dem Manager Robert F. Kooij und dem Veterinärmediziner Alexandre Netto verantwortlich für das Einsammeln der Eier. Die im August 2014 eingesammelten Eier wurden dem Zooparque Itatiba übergeben und dort erfolgreich bebrütet – die weltweit erste Aufzucht von Dunkelsägern in Menschenobhut.

Updates:

Update 26.11.2015: OZO-update 26 11 2015 (003)

Update 30.9.2015: OZO-update 30 09 2015 (003)

Bartgeier Gypaetus barbatus

Verleumdet als Kinderräuber und Lämmerdieb, wurde der Bartgeier (Gypaetus barbatus) – ein harmloser Aas- und Knochenfresser – im 19. Jh. im Alpenraum ausgerottet. Zuchterfolge und Forschung im Alpenzoo führten zu einem internationalen Gemeinschaftsprojekt von Zoos und Naturschutzorganisationen mit dem Ziel der Wiederansiedlung des Bartgeiers.

1986 wurden die ersten jungen Bartgeier im Nationalpark Hohe Tauern freigelassen. Seither wurden insgesamt 150 (Stand 2008) in Volieren gezüchtete Bartgeier in vier Alpenländern ausgewildert. Die Entwicklung, Paarbildung und Vermehrung dieser „Zoovögel“ im alpinen Hochgebirge verlaufen so erfolgreich, dass bereits 44 Jungvögel (Stand 2007) im Freiland aufgezogen wurden.

Habichtskauz

Der Habichtskauz (Strix uralensis) ist nach dem Uhu die zweitgrößte EuleMitteleuropas und ähnelt im Aussehen dem kleineren Waldkauz. Auffälliges Artmerkmal ist ein „unerschrockener“ Charakter und damit  verbunden sehr geringe Fluchtdistanz im Freiland. Diese Eigenschaft begünstigte früher die Verfolgung durch den Menschen und dürfte zum Verschwinden der Art beigetragen haben. Außerdem führten forstliche Intensivierung und damit verbunden Habitatverlust zum Aussterben in Österreich. Aus Sicht des Natur- und Artenschutzes ist die aktuelle Situation bedauerlich, denn die alpinen, österreichischen Vorkommen stellten eine essentielle Verbindung zwischen den Populationen im Süden (Slowenien/Italien) und dem Norden (Deutschland/Tschechische Republik) dar. Heute ist diese Brücke unterbrochen; zur Absicherung von Genfluss in der europäischen  Metapopulation wäre das alpine Vorkommen wichtig.

In den letzten Jahrzehnten verbesserten sich die Lebensbedingungen für den Habichtskauz – der Jagddruck sank und wertvolle Waldlebensräume stehen heute unter Schutz oder werden nachhaltig bewirtschaftet. Aus diesem Grund hat man sich entschieden ein Wiederansiedlungsprojekt zu starten. Der erste Schritt ist der Aufbau eines Zuchtnetzwerks. Momentan gibt es in Österreichs Zoos (inkl. privater Zuchtstationen) 17 Brutpaare. Zur Erweiterung der genetischen Basis ist die Einkreuzung neuer Blutlinien vordringlichstes Ziel. In Osteuropa werden Findlinge aus der Wildbahn immer wieder in Zoos abgegeben. Die OZO hat in dieser Angelegenheit eine Vermittlerrolle übernommen. Das Echo ist groß – mehreren Zoos ihre Unterstützung zugesagt. In den kommenden Wochen werden die ersten Wildvögel aus Slowenien und aus den Karpaten nach Österreich gebracht.

Zur Freilassung übersiedeln die jungen Käuzchen gemeinsam mit ihren Eltern an die Freilassungsorte. Dort können sie sich über mehrere Wochen in für sie errichteten Volieren akklimatisieren und ihre Umgebung kennen lernen. Im Spätsommer werden die Käfige geteilt; während die Elterntiere zur Zucht zurückbehalten werden, heben die Jungen lautlos in ihre neue Heimat ab. Ihre Eltern verbleiben noch eine Zeit im Gebiet. Ihre Gegenwart festigt die Ortsbindung der Jungeulen. Bereits im selben Herbst beginnt die Balz. Erstes Ziel ist es kleine Populationskeimzellen rund um die Freilassungsorte zu schaffen. Bleibt zu hoffen, dass die heurige Brutsaison produktiv ausfällt und die erste Freilassung im Sommer stattfinden kann.

Waldrapp:

Der ehemals auch im Alpenraum verbreitete Waldrapp (Geronticus eremita) zählt heute zu den bedrohtesten Vogelarten der Welt. Im 19. Jh. wurden größere Kolonien in Nordafrika und der Türkei „wiederentdeckt“, aber auch hier verschwanden die Kolonien, verursacht durch direkte Verfolgung und durch Pestizideinsatz rasch. Ende der 80er Jahre gab es nur mehr eine kleine Kolonie von 50 Brutpaaren in Marokko und eine halbwilde Kolonie von 60 Vögeln in der Türkei. Inzwischen hat sich die Situation durch intensive Schutz- und Managementmaßnahmen erfreulich verbessert. In Marokko gibt es wieder an die 200 Brutpaare. In den Zoos wird der Waldrapp seit den 50er Jahren erfolgreich gehalten und nachgezüchtet. Das Verhalten und die Brutbiologie des Waldrapp wurden im Alpenzoo gründlich erforscht. Seit 1997 gibt es Forschungsprojekte, um eine Erfolg versprechende Wiederansiedlung des Waldrapp zu erarbeiten. Das waldrappteam.at versucht handzahmen Waldrappen eine Zugroute zu lehren. Die ersten Vögel haben erfolgreich die Wanderroute hinter sich gebracht und sind im folgenden Jahr auch wieder an ihren Ursprungsort zurückgekehrt. Die OZO unterstützt dieses weltweit einzigartige Forschungsprojekt sowohl finanziell als auch mit Waldrappküken.

Für ausführliche Informationen zum Waldrapp und seine Situation im Freiland und aktuelle Projekte besuchen Sie bitte die homepage der International Advisory group for the Northern Bald Ibis www.iagnbi.org

Projekt Batagur baska

Die Nördliche Batagur Flussschildkröte ist eine der bedrohtesten Wirbeltierarten weltweit. Sie ist als drittseltenste Schildkrötenart gelistet, und in einer von der IUCN 2012 publizierten Liste der 100 gefährdeten Arten (Pflanzen und Tiere) ist sie natürlich auch vertreten. Sie kann bis 60 cm Panzerlänge erreichen und hatte den Ruf, die Schildkröte mit dem schmackhaftesten Fleisch und den köstlichsten Eiern in Süd-Asien zu sein. Das führte dazu, dass die Nördliche Batagur Flussschildkröte extrem bejagt und ihre Eier in großer Stückzahl abgesammelt wurden.
Im Tiergarten Schönbrunn erfolgte im Jahr 2010 die Welterstnachzucht dieser Art. Gemeinsam mit dem Grazer Schildkrötenforscher Peter Praschag, der TSA (Turtle Survival Alliance) und einer NGO aus Bangladesh wurde das Artenschutzprojekt “Projekt Batagur baska“ initiiert. Mit Hilfe der Inderin Rupali Ghosh wurden die letzten überlebenden Batagur baska aufgespürt, angekauft und in 2 eingezäunten Teichen im Bhawal Nationalpark untergebracht. Derzeit leben dort 14 Männchen und 5 Weibchen – das sind circa 70 % der Gesamtpopulation dieser Art. Die Tiere haben in privaten Fischteichen überlebt, wo sie als Talisman gelten.

Die Suche geht unverdrossen weiter, da man mit nur fünf Weibchen auf Dauer keine stabile Population aufbauen kann. Mit Spendengeldern von Zoobesuchern, den Freunde des Tiergarten Schönbrunn und einer großzügigen Zuwendung der OZO wurden die Teiche im Bhawal Nationalpark schildkrötengerecht adaptiert und ein Tierpfleger und ein Stationsleiter angestellt. Im März 2012 legten die Weibchen erstmals Eier in den künstlich errichteten Sandstrand ab. Nach zwei Monaten schlüpften insgesamt 24 Jungtiere, die sich bisher großartig entwickeln. Die Freude über diesen ersten Erfolg ist natürlich groß. Auch wenn noch viele Jahre Arbeit vor uns liegen, um den Bestand dieser Art langfristig zu sichern, wissen wir jetzt, dass sich die Anstrengungen lohnen und wir die richtigen Maßnahmen getroffen haben.

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